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»Schmeiß das weg!«
Lust und Last des Auf­be­wah­rens
Regie Phil­ip­pe Bru­ehl, Redak­ti­on Klaus Pil­ger
55 min – Pro­duk­ti­on DLF 2017

Man kann Din­ge für sich auf­he­ben oder für ande­re. Man kann Din­ge von sich auf­be­wah­ren oder von ande­ren. Auf­ge­ho­ben und auf­be­wahrt wird seit Men­schen­ge­den­ken. Archäo­lo­gie und Geschich­te wären undenk­bar ohne Arte­fak­te. Aller­dings quillt 70 Jah­re nach dem letz­ten gro­ßen Krieg alles über: Schrän­ke, Schub­la­den, Spei­cher, Archi­ve. Doch muss man ange­sichts der digi­ta­len Auf­lö­sungs­be­dro­hung nicht gera­de beson­ders eif­rig auf­he­ben, sam­meln, bewah­ren? Män­ner häu­fen an, Frau­en wer­fen weg. Alte Eltern klam­mern sich an Nip­pes, Kin­der emp­fin­den den Nach­lass als Müll. Der Mes­sie als Extrem­auf­he­ber kann sich von nichts tren­nen, der digi­ta­le Noma­de besitzt nur noch Matrat­ze und Com­pu­ter. Ein unschein­ba­res Feld des All­tags, das vol­ler Span­nun­gen steckt.

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»Die Mau­er!«
Eine sta­bi­le Idee im Hör­bild
Regie Cla­ris­se Cos­sais, Redak­ti­on Mar­tin Hart­wig
30 min – Pro­duk­ti­on DLR 2017

Mau­ern erzeu­gen Schutz­räu­me, in denen man Vor­rä­te ein­la­gern kann, und Pri­vat­räu­me, die dem Men­schen die Ent­wick­lung von Indi­vi­dua­li­tät erlau­ben. Mau­ern schüt­zen vor wid­ri­ger Natur und vor Stö­ren­frie­den. Mau­ern schaf­fen Gebor­gen­heit und ver­mit­teln ein Sicher­heits­ge­fühl. Hin­ter Mau­ern sperrt man Men­schen lebens­lang ein. Mit einer Mau­er hin­der­te man ein gan­zes Volk dar­an, frei sei­ner Wege zu gehen. Seit Jahr­tau­sen­den hal­ten Mau­ern Men­schen ab, eine Stadt, ein Land, ein Rie­sen­reich zu betre­ten. Ohne Mau­ern gäbe es kei­ne Zivi­li­sa­ti­on. Sie sind die stein­ge­wor­de­ne Idee von Obhut und Stra­fe, von Schutz und Abwehr. Kei­ne Mau­er ist je neu­tral  aber auch kei­ne von sich aus ver­werf­li­ch. War­um bau­en man­che Zeit­al­ter Mau­ern auf, war­um rei­ßen ande­re sie wie­der ab? Die Mau­er ist nicht gut. Die Mau­er ist nicht böse. Die Mau­er braucht Türen und Fens­ter, um men­schen­freund­li­ch zu sein.

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»Mit Schluss­stein ver­al­tet«
Was Men­schen an sinn­lo­sen Bau­pro­jek­ten des 19. Jahr­hun­derts fas­zi­niert
Regie Ros­wi­t­ha Graf, Redak­ti­on Rena­te Schön­fel­der
55 min – Pro­duk­ti­on DLR 2016

Es ist kalt und zugig in den Kase­mat­ten von Fort Hah­ne­berg in Span­d­au. Der Bli­ck reicht hun­der­te Meter weit, doch befin­det man sich unter hun­dert­tau­send Ton­nen mär­ki­schen Sands. Als die letz­te deut­sche Fes­tungs­an­la­ge 1888 nach Bau­kos­ten von vie­len Mil­lio­nen Gold­mark eröff­net wur­de, war sie bereits funk­ti­ons­los gewor­den. Neue feind­li­che Kano­nen schos­sen wei­ter, als die Ver­tei­di­gungs­li­nie reich­te. Als der Autor den gespens­ti­schen Rie­sen­bau besich­tigt, stei­gen Bil­der sei­ner Jugend in Ulm auf: Knut­sche­rei­en auf dem zuge­wu­cher­ten Dach eines Vor­werks, die stän­di­ge Kon­fron­ta­ti­on mit mar­tia­li­schen Bau­ten auf dem Schul­weg. Bis heu­te die größ­te Fes­tung Euro­pas, war das 1859 voll­ende­te Ulmer Groß­pro­jekt mili­tä­ri­sch eben­falls obso­let. Was tut man mit sol­chen Hin­ter­las­sen­schaf­ten? War­nen sie vor heu­ti­gen Zeitgeist-Großprojekten wie dem BER? Oder reha­bi­li­tiert ihre Nach­nut­zung den Grö­ßen­wahn ihrer Bau­her­ren? Vom  Thea­ter bis zum Fle­der­maus­do­mi­zil, vom KZ bis zur Flücht­lings­her­ber­ge bleibt das Spek­trum ambi­va­lent. Klar ist nur: Fes­tun­gen sind ein schlech­tes Mit­tel gegen Angst. Schon vor 150 Jah­ren funk­tio­nier­ten sie nicht mehr.

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»Die ande­re Dimen­si­on«
Wie der Glau­be im Sport mit­spielt
Redak­ti­on Jörg Degen­hard
25 min – Pro­duk­ti­on DLR 2016


„Turek, du bist ein Fuß­ball­gott!“ Die­ser Jubel­schrei im WM-Finale 1954 brach­te der Radio­le­gen­de Her­bert Zim­mer­mann mäch­ti­gen Ärger ein. Blas­phe­mi­sch sei das gewe­sen, der Repor­ter mus­s­te um sei­nen Job ban­gen. Durch den welt­li­chen Sport­zir­kus soll­ten reli­giö­se Inhal­te nicht ent­ehrt wer­den. Und heu­te? Man kennt Fuß­ball­stür­mer, die sich nach einem Tor bekreu­zi­gen, man weiß um reli­giös moti­vier­te Pro­ble­me im Schul­sport. Aber das Ver­hält­nis zwi­schen Sport und Glau­ben geht dar­über hin­aus.

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»Kapi­ta­lis­mus ... irgend­was mit Null«
Über den Ver­lust des Men­schen in der Ska­lier­bar­keit
Regie Cla­ris­se Cos­sais, Redak­ti­on Mar­tin Hart­wig
30 min – Pro­duk­ti­on DLR 2016

Wer ein Star­tup grün­den will, braucht ein ska­lier­ba­res Geschäfts­mo­dell. Nur so über­zeugt man Geld­ge­ber. Die weit­ge­hend men­schen­un­ab­hän­gi­ge Ska­lier­bar­keit als Geschäfts­prin­zip beschert Fir­men­grün­dern und Inves­to­ren unfass­ba­re Gewin­ne, bedroht zugleich aber das Kräf­te­gleich­ge­wicht zwi­schen Poli­tik, Gesell­schaft und Wirt­schaft. Die Gewinn­mar­gen in daten­ba­sier­ten Geschäf­ten sind poten­zi­ell gigan­ti­sch, vor allem aber extrem ver­tei­lungs­schief: Da man nur noch sehr weni­ge Men­schen benö­tigt, ent­fällt die brei­te Ver­tei­lung der Gewin­ne über die Arbeits­ge­sell­schaft. Ist der Ska­lie­rungs­ef­fekt erst ein­mal als Norm gesetzt, wird er auch dort von Inves­to­ren gefor­dert, wo er gar nicht ein­tre­ten kann, an den Über­gän­gen zur rea­len Welt etwa. Und selbst wenn Begüns­tig­te die­ser Ent­wick­lung erklä­ren, ihre Gewin­ne in Form von Stif­tun­gen wie­der zurück­ge­ben zu wol­len, ver­än­dert der Ska­lie­rungs­ka­pi­ta­lis­mus die Welt.

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»Mit Geh­sto­ck und Zylin­der«
Die letz­ten Stock­ma­cher zwi­schen Thü­rin­gen und Hes­sen
Regie Karena Lüt­ge, Redak­ti­on Mar­ga­re­te Wohl­an
55 min – Pro­duk­ti­on DLR 2016 / Wie­der­ho­lung 2017

Schon unse­re Urgroß­el­tern wuss­ten: Nur ein Sto­ck ver­an­kert uns sicher mit dem Boden. Und gro­ße Den­ker wie Tho­mas Hob­bes oder Mar­tin Hei­deg­ger gin­gen nie ohne ihren Sto­ck aus. Hob­bes, weil sich im Knauf ein Tin­ten­fass und eine Feder befan­den, mit denen er sei­ne Gedan­ken notie­ren konn­te. Für Mar­tin Hei­deg­ger war sein kno­ti­ger Wan­der­sto­ck die Ver­bin­dung zur Hei­mat, dem Schwarz­wald. Heu­te ist der Geh­sto­ck aus dem All­tag fast ver­schwun­den. Nur in einer Regi­on Deutsch­lands spielt er noch eine gro­ße Rol­le: auf bei­den Sei­ten des ehe­ma­li­gen deutsch-deutschen Grenz­flus­ses Wer­ra, zwi­schen Thü­rin­gen und Hes­sen. Die Deutsch­land­rund­fahrt auf der Spur der letz­ten Stock­ma­cher zeigt, war­um der schö­ne All­tags­ge­gen­stand aus dem Werra-Meißner-Kreis trotz Rol­la­to­ren und Nordic-Walking-Metallstöcken eine Zukunft haben könn­te: als ele­gan­tes Modeac­ces­soire, das die Natur und die Bewe­gung dar­in mit­ein­an­der ver­bin­det.

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»O Cap­tain! My Cap­tain!«
Wir cas­ten uns die tolls­ten Leh­rer
Regie Phil­ip­pe Bru­ehl, Redak­ti­on Klaus Pil­ger
55 min – Pro­duk­ti­on DLF 2016 / Über­nah­me NDR 2017

Die Tür schließt sich, und man ist vie­le Jah­re in einem Klas­sen­zim­mer gefan­gen. Ob die Zeit ange­nehm und ertrag­reich oder quä­lend und nutz­los ver­geht, hängt von den Leh­rern ab. Wegen der Schul­pflicht sind Leh­rer wie Gefäng­nis­wär­ter: Ihr Ruf ist mise­ra­bel, man hat sie sich nicht aus­ge­sucht. Von schlech­ten Leh­rern kann des­halb jeder berich­ten, von unge­rech­ten Macht­men­schen, Lang­wei­lern und des­in­ter­es­sier­ten Bil­dungs­voll­zugs­be­am­ten. Wir aber dre­hen den Spieß um und cas­ten uns die tolls­ten Leh­rer. Was macht sie aus? Ihre Empa­thie und Tole­ranz bis hin zur Kum­pel­haf­tig­keit, wie es sich Schü­ler erseh­nen? Die Fähig­keit, Kin­der rei­bungs­los zu einem Super­schul­ab­schluss zu lot­sen, wie es Eltern vor­schwebt? Oder ist der tolls­te Leh­rer im Rück­bli­ck der stren­ge, aber gerech­te Päd­ago­ge, dem Groß­el­tern ger­ne ihren eige­nen Lebens­er­folg zuschrei­ben? Doch viel­leicht fin­den wir den aller­tolls­ten Leh­rer gar nicht in der Schul­zeit, son­dern dane­ben oder dana­ch. Viel­leicht ist er Fahr-, Reit-, Yogal­eh­rer oder er lehrt an der Uni­ver­si­tät des Lebens.

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»Wir wer­den immer GEGEN sein«
Der Dada­is­mus und sei­ne Fol­gen 
Regie Cla­ris­se Cos­sais, Redak­ti­on Jörg Pla­th
30 min – Pro­duk­ti­on DLR 2016

Sie erfan­den das Laut- und das Simult­an­ge­dicht, die Publi­kums­be­schimp­fung und die Polit-Kunst-Performance. Als im Febru­ar 1916 die Dada­is­ten in Zürich die ehr­wür­di­gen Säu­len der Kunst durch uner­hört nihi­lis­ti­sche Klein­kunst pul­ve­ri­sier­ten, leg­te sich Euro­pa gera­de in Schutt und Asche. »Man soll­te aus einer Lau­ne nicht eine Kunst­rich­tung machen«, notier­te Hugo Ball jedoch schon weni­ge Wochen nach dem Eröff­nungs­abend im Caba­ret Vol­taire, und 1922 begru­ben die Dada­is­ten die Mischung aus Buf­fona­de und Toten­tanz offi­zi­ell: In ihren Augen war Dada vor­bei. Hugo Ball wur­de radi­kal katho­li­sch, ande­re Mit­strei­ter radi­kal ego­is­ti­sche Künst­ler im Kunst­markt. Aber der Boden, auf dem Avant­gar­de und belang­lo­se Epi­go­nen­kunst glei­cher­ma­ßen tan­zen konn­ten, war berei­tet. Wo das Prin­zip Ein­fall über das Prin­zip Arbeit siegt, scheint Kunst mühe­los her­stell­bar und zugäng­li­ch zu sein. Dada gehört zu den wirk­mäch­tigs­ten Kunst­ent­wick­lun­gen des 20. Jahr­hun­derts. Inzwi­schen weiß man, dass Dada nicht min­der eigen­wil­li­ge Vor­läu­fer in der künst­le­ri­schen Bohè­me Euro­pas hat­te: Chris­ti­an Mor­gen­sterns kaba­ret­tis­ti­sche Laut­ge­dich­te etwa oder Jaros­lav Hašeks Pra­ger 'Par­tei des maß­vol­len Fort­schritts in den Schran­ken der Geset­ze', die die Polit­per­for­man­ce von Mar­tin Son­ne­borns ›Die Par­tei‹ im EU-Parlament vor­weg­nahm. Hašek bekam damals nur zwei Dut­zend Wäh­ler­stim­men. Wie die Dada­is­ten konn­te er noch voll und ganz ›gegen‹ sein. Heu­te wird Gegen­kunst ohne Wenn und Dada von der Gesell­schaft ver­ein­nahmt.

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»Was­was­was wowo­wo bis­t­bis­t­bist dudu­du?«
Mein Anruf­be­ant­wor­ter oder Eine klei­ne Geschich­te des Abhö­rens
Regie Alex­an­der Schuh­ma­cher, Redak­ti­on Wal­ter Filz
55 min – Pro­duk­ti­on SWR 2015 / Über­nah­me DLR 2016

Mehr als 20 Jah­re lang lagen sie in der Schub­la­de: klei­ne Mikro­cas­set­ten, die ein­st im Anruf­be­ant­wor­ter steck­ten, mit mal wit­zi­gen, mal hilf­lo­sen, mal vir­tuo­sen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­su­chen. Flo­ri­an Felix Weyh bewahr­te sie auf und hat nun etwas zu erzäh­len: die Geschich­te des Anruf­be­ant­wor­ters von der ers­ten drei Zent­ner schwe­ren Tele­fon­auf­zeich­nungs­an­la­ge bis zum heu­ti­gen gewichts­lo­sen »Ser­vice­merk­mal Mail­box«. Gespei­chert, abge­hört und – manch­mal – wei­ter­ge­flüs­tert wird immer noch. Und immer noch redet man mit dem AB wie mit einem alten Freund – oder Feind. Denn manch­mal wird besin­nungs­los geschimpft, gedroht, geflucht. Selbst Bun­des­prä­si­den­ten sind davor nicht gefeit.

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»Sind Ein­s­er­schü­ler die bes­se­ren Ärz­te?«
Über die Selek­ti­ons­ver­fah­ren zum Medi­zin­stu­di­um
Regie Bea­te Ziegs, Redak­ti­on Kim Kin­der­mann
30 min – Pro­duk­ti­on DLR 2015

Wer Medi­zin stu­die­ren will, darf maxi­mal einen Abitur­durch­schnitt von 1,2 haben – dar­an hat auch die Umbe­nen­nung der ZVS in »Hoch­schul­start« nichts geän­dert. Über­win­det man wei­te­re Hür­den (Medi­zi­ner­tests, Berufs­aus­bil­dun­gen, diver­se uni­ver­si­tä­re Auf­nah­me­ver­fah­ren), besitzt man noch bis 1,9 eine Chan­ce. Dana­ch wird es sehr schwie­rig ... oder teu­er. Künf­ti­ge Ärz­te sind daher gewohnt, in ihrem Umfeld als Eli­te wahr­ge­nom­men zu wer­den. Doch das anschlie­ßen­de Berufs­feld braucht nicht nur den Pri­mus, son­dern auch Men­schen, die nicht nur in Uni­kli­ni­ken oder in der For­schung arbei­ten wol­len, son­dern die sich auch als Land- und Pro­vinz­ärz­te ver­din­gen. Damit beginnt das Pro­blem der flä­chen­de­cken­den Ärz­te­ver­sor­gung schon bei der Aus­wahl der Stu­den­ten. Ein­zel­ne Uni­ver­si­tä­ten haben ihr Aus­wahl­ver­fah­ren inzwi­schen für »wei­che« Fak­to­ren wie Sozi­al­ver­hal­ten geöff­net. Ande­re wie die neu gegrün­de­te Medi­zi­ni­sche Hoch­schu­le Bran­den­burg set­zen auf eine Ver­pflich­tung der Stu­den­ten, ihre Fach­arzt­aus­bil­dung in unter­ver­sorg­ten Regio­nen zu absol­vie­ren. Aber hilft das?

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»Klas­sen­kampf in Schul­pfor­ta«
Eine Eli­te­schu­le, die Abitu­ri­en­tia 1952 und ein Streit nach 60 Jah­ren.
Regie Bea­te Ziegs, Redak­ti­on Win­fried Strä­ter
30 min – Pro­duk­ti­on DLR 2015

Eine dia­man­te­ne Abitur­fei­er 2012, an der der Autor zufäl­lig teil­nimmt, endet in einem Zeit­zeu­gen­streit über schu­li­schen Umwäl­zun­gen im Sozia­lis­mus. Wer erin­nert sich rich­tig, wer sagt die Wahr­heit? Kön­nen sich die hoch­be­tag­ten Zeit­zeu­gen von einem His­to­ri­ker beleh­ren las­sen, der ihren Fall akri­bi­sch erforscht hat und eine mit den Erin­ne­run­gen nicht unbe­dingt über­ein­stim­men­de Arbeit vor­legt?

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»Immer knapp – oder wert­los«
Über das Geld uns was wir dafür hal­ten
Regie Cla­ris­se Cos­sais, Redak­ti­on Mar­tin Hart­wig
30 min – Pro­duk­ti­on DLR 2015


Weil nor­ma­le Men­schen über Geld sel­ten abs­trakt, son­dern allen­falls kon­kret in ihrem Lebens­voll­zug nach­den­ken, konn­te die Geld­po­li­tik jahr­zehn­te­lang tun, was sie woll­te. Doch das nai­ve Geld-Einverständnis der Bür­ger mit den Noten­ban­kern brö­ckelt. Staat­li­ches Geld prä­sen­tiert sich inzwi­schen als unzu­ver­läs­si­ger Gesel­le, den man schlecht taxie­ren kann. Was etwa seit 100 Jah­ren als ver­spon­ne­ne Idee galt – Erspar­nis­se als »Schwund­geld« mit einer Straf­ge­bühr zu beweh­ren – ist inzwi­schen von der EZB via Nega­tiv­zins in die Pra­xis umge­setzt wor­den. Nie­mand hät­te so etwas je erwar­tet. Und die bibli­sche Gewiss­heit, dass Geld­ver­lei­hen stets Zins erbringt, ist eben­falls an ihr Ende gelangt; das gesam­te Fun­da­ment von Spa­ren und Vor­sor­ge steht damit vor dem Ein­sturz. Was ist Geld über­haupt noch? An den Rän­dern des öko­no­mi­schen Main­streams gibt es vie­le inter­es­san­te Debat­ten über Geld und sei­ne Zukunft.

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»Kein Requi­em für Sim­ply Jona­than«
Wenn Pfer­de beim Renn­sport ver­un­glü­cken
Redak­ti­on Jörg Degen­hard
25 min – Pro­duk­ti­on DLR 2015


Der Nach­mit­tag auf der Pfer­de­renn­bahn wird als »Fami­li­en­tag« bewor­ben. Auf den ers­ten Bli­ck zu Recht: Das Ippo­dro­mo di Mer­a­no liegt male­ri­sch zwi­schen Süd­ti­ro­ler Ber­gen, der Renn­platz fügt sich har­mo­ni­sch in Natur und Land­schaft ein. Und anfäng­li­ch ist alles ange­nehm: schö­ne Tie­re, knis­tern­de Span­nung, archai­scher Wett­kampf. Doch dann kommt es zu Stür­zen, ein Pferd bleibt lie­gen. Sim­ply Jona­than ist tot. Kin­der krei­schen, die Stim­mung im Publi­kum kippt – nicht aber bei den Ver­an­stal­tern. The show must go on! Der Kada­ver, nur noch ein Renn­bahn­hin­der­nis, wird mit einem Schau­fel­la­der ent­fernt. Muss die Show wirk­li­ch wei­ter­ge­hen? Nach einem sol­chen Erleb­nis auf dem Mera­ner Renn­platz fragt sich der Autor, ob sol­che Spek­ta­kel mit der Wür­de von Men­sch und Tier in Ein­klang zu brin­gen sind. Den Vor­fall auf ita­lie­ni­sche Ver­hält­nis­se zu schie­ben, ent­las­tet nicht; auch in Deutsch­land ver­un­glü­cken regel­mä­ßig Pfer­de auf Renn­bah­nen.

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»Der Prä­si­dent erlitt nur einen leich­ten Streif­schuss«
Wenn Geschich­te anders ver­lau­fen wäre, als sie ver­lief
Regie Phil­ip­pe Bru­ehl, Redak­ti­on Klaus Pil­ger
55 min – Pro­duk­ti­on DLF 2015

Geschich­te ist klar defi­niert als unver­än­der­ba­re Ver­gan­gen­heit. Wenn sich Schrift­stel­ler fan­ta­sie­voll dar­über her­ma­chen, ent­steht zuwei­len eine kon­traf­ak­ti­sche Erzäh­lung – das Bild einer Welt, wie sie sein könn­te, aber nicht gewor­den ist. Lite­ra­ten dür­fen so etwas, His­to­ri­ker nicht. Wenn Pro­fes­so­ren mit kon­traf­ak­ti­schen Denk­spreng­sät­zen han­tie­ren, kön­nen sie sich den Vor­wurf unwis­sen­schaft­li­cher Ver­spon­nen­heit ein­han­deln. Im angel­säch­si­schen Raum jedoch blüht unter Fach­leu­ten das Spiel mit der Uchro­nie, der Mög­lich­keits­form der Geschich­te. Doch was bringt es, rück­wir­kend in Alter­na­ti­ven zu den­ken? Kon­traf­ak­ti­sche Spe­ku­la­tio­nen offen­ba­ren, dass nach jeder noch so klei­nen Hand­lungs­wei­se ein ande­rer Ver­lauf mög­li­ch wäre. Nicht nur der Erfolg von Fil­men wie ‚Lola rennt‘ von Tom Tykwer oder Büchern wie ‚Vater­land‘ von Robert Har­ris zeigt, wie reiz­voll die­se geis­ti­gen Spi­ra­len sein kön­nen.

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»Alles Mül­ler? Oder: Der öffent­li­che Schwa­be«
Regie Gün­ter Mau­rer, Redak­ti­on Wal­ter Filz
55 min – Pro­duk­ti­on SWR 2014


700.000 Deut­sche hei­ßen Mül­ler. Aber Chris­to­ph Mül­ler ist ein­zig­ar­tig. Er war der ein­fluss­reichs­te Zeitungs-Verleger und der wich­tigs­te Thea­ter­kri­ti­ker Baden-Württembergs. Und er hat als Chef des Schwä­bi­schen Tag­blatts Her­ta Däubler-Gmelin vom Minis­ter­amt »weg­zi­tiert«. Er ist ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­nie, 76 Jah­re alt und Mil­lio­när, aber er trägt Kapu­zen­pul­li und Hawaii­hemd. Und man weiß nicht, ob es Stil oder Geiz ist. Jetzt aber gibt er alles. Dem Staat­li­chen Muse­um Schwe­rin hat er sei­ne Samm­lung nie­der­län­di­scher Kunst geschenkt: 155 Bil­der aus dem 16. und 17. Jahr­hun­dert im Wert von schät­zungs­wei­se 30 Mil­lio­nen Euro. Mül­ler, der sich schon 1968 als schwul oute­te, hat kei­ne Nach­kom­men. Wei­te­re Zuwen­dun­gen an die All­ge­mein­heit sol­len daher fol­gen. Nun aber wen­det sich Mül­ler erst ein­mal dem Mikro­fon zu. Um zu erzäh­len, war­um er so ist, wie er ist: so schwä­bi­sch und so öffent­li­ch.

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»Exit«
Wenn Schrift­stel­ler ihren Frei­tod schrei­bend vor­weg­neh­men
Regie Cla­ris­se Cos­sais, Redak­ti­on Jörg Pla­th
55 min – Pro­duk­ti­on DLR 2014


»Nie­man­dem fehlt ein guter Grund, sich zu töten.« – »Ist es nicht bes­ser, dem Fall­beil, das uns alle guil­lo­ti­niert, zuvor­zu­kom­men?« Für sich genom­men klin­gen die­se Sät­ze über­zo­gen. Mit dem Wis­sen um den ihnen fol­gen­den Tod klin­gen sie anders. Ob Jean Amé­ry, Wolf­gang Herrn­dorf, Sán­d­or Márai oder Cesa­re Pave­se - alle die­se Auto­ren schrie­ben erst über den eige­nen Tod, bevor sie ihn sich gaben. Auch Erich Loest hielt es so, bevor er hoch­be­tagt aus dem Fens­ter einer Kli­nik sprang. Geän­dert hat sich der Umgang mit der Öffent­lich­keit. Wäh­rend Cesa­re Pave­ses und Sán­d­or Márais Sui­zid­no­ta­te erst nach ihrem Tod ver­öf­fent­licht wur­den, schrieb Wolf­gang Herrn­dorf sei­nen Blog zum eige­nen Ster­ben in aller Öffent­lich­keit. Was fas­zi­niert uns an Lite­ra­tur, die ihren Wert mit dem Leben der Auto­ren beglau­bigt? Strahlt ihre Todes­sehn­sucht auf den Leser ab oder fei­ert sie das Leben? Je aktu­el­ler die Zeug­nis­se sind, desto stär­ker tritt der Frei­tod als Opti­on gegen das Nichts­ter­ben­dür­fen im Appa­ra­te­me­di­zin­park in den Vor­der­grund. Wer den Ster­be­hil­fe­pa­ra­gra­fen ver­schär­fen will, soll­te zuvor die ergrei­fen­de Exit­li­te­ra­tur lesen.

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»Zu viel gear­bei­tet, ver­ges­sen, ver­schlampt«
Über die Psy­cho­lo­gie des Steu­er­zah­lens
Regie Cla­ris­se Cos­sais, Redak­ti­on Mar­tin Hart­wig
30 min – Pro­duk­ti­on DLR 2014 / Wie­der­ho­lung 2015


Dar­an, dass sich Lot­to­ge­win­ner, Fuß­bal­ler, Formel-1-Fahrer oder deren jewei­li­ge Mana­ger um die Steu­er drü­cken, ist die Öffent­lich­keit gewöhnt. Sie wer­den ohne­hin in der Kate­go­rie raff­gie­ri­ge Auf­stei­ger, die sich nur für sich selbst inter­es­sie­ren, geführt. Die Fäl­le Ali­ce Schwar­zer und Theo Som­mer wer­fen ein Licht auf eine ande­re, (ver­mut­li­ch) deut­li­ch grö­ße­re Grup­pe: bür­ger­li­che Bes­ser­ver­die­ner, die auch gern mal Was­ser pre­di­gen. 'Res Publi­ca' haben sie stets im Sinn, außer bei der Abga­be der Steu­er­er­klä­rung. Da sie aber durch­aus Mora­lis­ten sind und des­halb nicht ein­fach sagen kön­nen „Ich woll­te halt alles behal­ten“, braucht die Läss­lich­keit eine Erklä­rung, die vor ihnen selbst und vor der Welt Bestand hat. Geschich­ten rund um Steu­er­mo­ral und Steu­er­hin­ter­zie­hung.

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»Intel­li­gen­ter Staub«
Sen­sor­netz­wer­ke durch­drin­gen unse­re Umwelt
Regie Gabrie­le Brenne­cke, Redak­ti­on Jana Wutt­ke
30 min – Pro­duk­ti­on DLR 2014


Elek­tro­ni­sche Sen­so­ren sind weit ver­brei­tet und wer­den öffent­li­ch kaum wahr­ge­nom­men. Dabei haben sie noch nicht, wie seit Jah­ren pro­phe­zeit, die Körner­grö­ße mil­li­me­ter­klei­ner Com­pu­ter (Smart Dust) erreicht. Mit den Algo­rith­men der Sen­sor Data Fusi­on las­sen sich aber heu­te schon Vor­gän­ge über­wa­chen, Bewe­gun­gen nach­zeich­nen, Aus­künf­te über den Zustand der Welt erhal­ten, ohne dass es indi­vi­du­el­ler Beob­ach­ter vor Ort bedürf­te. Wäh­rend sich die Befür­wor­ter eng­ma­schi­ger Sen­sor­net­ze öko­no­mi­sche Vor­tei­le und einen Zuge­winn an Sicher­heit ver­spre­chen, sehen die Geg­ner dar­in eine wei­te­re Zunah­me anlass­lo­ser Über­wa­chung. Eine Zukunfts­tech­no­lo­gie auf dem Prüf­stand.

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»Stu­fen rauf, Pfun­de run­ter«
Die schwie­ri­ge Über­win­dung der Träg­heits­ge­set­ze
Regie Autor, Redak­ti­on Jörg Degen­hardt
30 min – Pro­duk­ti­on DLR 2014 / Wie­der­ho­lung 2015


»Papa, du bist dick!« Sagt die acht­jäh­ri­ge Toch­ter. Kann man so oder so sehen, aber eines stimmt: Papa macht kei­nen Sport. Weil er ein Man­ko mit sich her­um­schleppt: Seit Kin­der­ta­gen ist er bewe­gungs­un­lus­tig, eine Sportunterricht-Niete, ein ver­spot­te­ter Ersatz­bank­drü­ck­er. Zwar hat ihn ein güti­ges Schick­sal die ers­ten drei Lebens­jahr­zehn­te vor der Ver­fet­tung bewahrt, aber die fol­gen­den zwei Deka­den schli­ch sich der Waa­gen­zei­ger kon­ti­nu­ier­li­ch nach oben. Alle halb­her­zi­gen Bewe­gungs­ver­su­che ende­ten in Frust und Still­stand. Nun aber, jen­seits der 50, muss etwas getan wer­den. Doch woher jetzt die Moti­va­ti­on neh­men? Kön­nen hoch­ak­ti­ve Frei­zeit­sport­ler, Moti­va­ti­ons­künst­ler, Fitness-Manager hel­fen?


»Ent­wei­ge­rung«
Wie­der­vor­la­ge einer Gewis­sens­fra­ge
Regie Gün­ter Mau­rer, Redak­ti­on Wal­ter Filz
55 min – Pro­duk­ti­on SWR 2013 / Über­nah­me DLR 2014


»Das hat man davon ... wenn einem als Redak­teur zum Feature-Vorschlag eines Autors zu viel selbst ein­fällt, wenn man eige­ne Erfah­run­gen bei­steu­ert, wenn man dies und jenes erzählt und noch eine Anek­do­te weiß und noch eine ... dann muss man selbst als O-Ton- Geber vors Mikro­phon und in die Sen­dung. Als mir der Autor und Publi­zist Flo­ri­an Felix Weyh sag­te, er wol­le als inzwi­schen 50-Jähriger sei­ne Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rung vor drei­ßig Jah­ren auf­ar­bei­ten und sich einer erneu­ten Gewis­sens­prü­fung unter­zie­hen, waren auch mei­ne Erin­ne­run­gen sofort geweckt. Wie war das damals im Kreis­wehr­er­satz­amt? Wer waren die Gewis­sens­prü­fer? Und wer war ich? Waren das wirk­li­ch Gewis­sens­grün­de, die einen hin­der­ten, ›zum Bund‹ zu gehen? Oder waren es poli­ti­sche Grün­de, die man hin­ter ange­lern­ten Phra­sen über inne­re Nöte ver­barg? Oder hat­te man ein­fach nur ›kei­nen Bock‹ – auf Kaser­nen­ton und Stu­ben­mief und Spieß und Spie­ßig­keit? Wir unter­hiel­ten uns kei­ne zehn Minu­ten, da mein­te Flo­ri­an Felix Weyh: ›Sie müs­sen auch im Fea­ture vor­kom­men.‹ Na gut, ich hab’s gemacht. Und erfah­ren, wie man sich vor sich sel­ber fremd­schä­men kann. Glück­li­cher­wei­se hat Flo­ri­an Felix Weyh aber auch noch ande­re Gesprächs­part­ner gefun­den. Zum Bei­spiel den Jour­na­lis­ten Klaus Pokatz­ky. Ein­st war er enga­gier­ter Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer. Jetzt ist er Medi­en­trai­ner bei der Bun­des­wehr. Was für ein Wan­del. Wir ken­nen uns nicht. Aber wir sind gespannt auf­ein­an­der. Denn es muss da eine mys­te­riö­se Gemein­sam­keit zwi­schen uns geben. Jeden­falls behaup­tet das ein Blog­ger aus den Wei­ten des Inter­nets. Schon 2006 schrieb er: ›Mehr als fünf Jah­re war ich davon über­zeugt, dass Klaus Pokatz­ky nur ein Pseud­onym von Wal­ter Filz ist. Nach­dem ich einen direk­ten Ver­gleich gemacht habe, ist mir jetzt klar, dass dem wohl doch nicht so ist.‹ Offen­bar klin­gen wir bei­de ähn­li­ch und – so hört es jeden­falls der Blog­ger – nei­gen bei­de dazu, ins Mikro­phon zu ›krie­chen‹. Und das als Kriech­dienst­ver­wei­ge­rer ...« Wal­ter Filz

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Kri­tik von Jochen Meiß­ner in der "Funk­kor­re­spon­denz" 50/2013


»Ach­ten und ver­ach­ten«
Ein unter­grün­di­ger Dia­log
Regie Chris­tia­ne Klenz, Redak­ti­on Bar­ba­ra Schä­fer
50 min – Pro­duk­ti­on BR 2013


Die Rege­l­über­wa­cher hin­ken den Regel­bre­chern stets hin­ter­her. Das zei­gen die Pla­gi­ats­fäl­le in der Wis­sen­schaft eben­so wie die Tritt­brett­fah­rer des Sozi­al­staats, die Mit­nah­me­men­ta­li­tät der Wirt­schaft wie die Pro-domo-Politik der Par­tei­en. Es gibt jedoch ein Mit­tel, um kol­lek­ti­ve Inter­es­sen vor indi­vi­du­el­len Prio­ri­tä­ten zu schüt­zen. Der Men­sch kann ach­ten und ver­ach­ten. Er braucht dazu kein Amt, kein Man­dat, kei­ne Schu­lung, kei­ne geson­der­te Legi­ti­ma­ti­on. Die Kunst besteht dar­in, zu inhalt­li­chen Beur­tei­lungs­kri­te­ri­en zurück­zu­fin­den, wann jemand oder etwas zu ach­ten und wann zu ver­ach­ten sei. Denn ein inhalts­lo­ser, nur posi­ti­ver Rechts­staat funk­tio­niert nicht. In einem dia­lo­gi­schen Essay sucht Flo­ri­an Felix Weyh nach einer anwend­ba­ren Ethik im wei­ten Feld zwi­schen Ach­tung und Ver­ach­tung.


»Der eine macht, der ande­re wacht«
Peer Review als Qua­li­täts­si­che­rungs­ver­fah­ren in der Wis­sen­schaft
Regie Cla­ris­se Cos­sais, Redak­ti­on Kim Kin­der­mann
30 min – Pro­duk­ti­on DLR 2013 / Wie­der­ho­lung 2014


Ursprüng­li­ch waren es tat­säch­li­ch Peers – hohe Ade­li­ge, die in den Auf­bruch­zei­ten der Natur­wis­sen­schaf­ten bezeug­ten, dass ein Expe­ri­ment und des­sen Ergeb­nis­se nicht frei erfun­den waren. Seit Mit­te des 20. Jahr­hun­derts gilt Peer Review als Königs­weg zur wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis: Bevor renom­mier­te Fach­zeit­schrif­ten einen ein­ge­reich­ten Arti­kel dru­cken, müs­sen sich zuvor Wis­sen­schaft­ler des­sel­ben Fach­ge­biets dafür aus­ge­spro­chen haben. Das klingt nach hoher Objek­ti­vi­tät, den­no­ch hat Peer Review kei­nen der gro­ßen Fäl­schungs­skan­da­le der Ver­gan­gen­heit ver­hin­dert. Geg­ner des Ver­fah­rens ver­wei­sen auf wei­te­re Schwach­stel­len: Trotz Anony­mi­sie­rung der Ein­rei­cher begüns­ti­ge es Vet­tern­wirt­schaft, bün­de­le Macht in den Hän­den von ›old boys‹ der Wis­sen­schaft­s­com­mui­ty und kos­te viel Geld. Wie gut also ist Peer Review wirk­li­ch? Hilft es der Wis­sen­schaft oder befrie­digt es viel­leicht ganz ande­re Bedürf­nis­se als nur die der Qua­li­täts­ab­si­che­rung? Befür­wor­ter und Geg­ner ver­su­chen eine Bestands­auf­nah­me – und las­sen dabei durch­aus kei­ne Emo­tio­nen aus dem Spiel.

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AUSGEZEICHNET MIT DEM GOETHE-MEDIENPREIS 2014


»Die Kul­tur­flüch­ter«
Wenn Men­schen ihren Traum­be­ruf ver­las­sen
Regie Phil­ip­pe Bru­ehl, Redak­ti­on Klaus Pil­ger
55 min – Pro­duk­ti­on DLF 2013 / Wie­der­ho­lung 2016

»Plä­ne gemacht, anti­poe­ti­sche Beschlüs­se gefasst«, notier­te Theo­dor Fon­ta­ne. Mit 33 Jah­ren schien er früh ermü­det; spä­ter erwog er, eine Pen­si­on zu eröff­nen. Ob höchst erfolg­reich oder ewig auf den Durch­bruch war­tend – dass Men­schen ihre mit hohem Kraft­auf­wand ange­streb­ten Posi­tio­nen im Kultur- und Medi­en­be­trieb ver­las­sen, ist kein ganz neu­es Phä­no­men. Doch es wird wenig dar­über gere­det. Kul­tu­rel­le Milieus gel­ten als Para­die­se, von denen der nor­ma­le Arbeit­neh­mer nur träu­men kann: Ein aufs eige­ne Selbst zen­trier­tes Leben mit krea­ti­ven Her­aus­for­de­run­gen und öffent­li­cher Aner­ken­nung – wie kann man dar­aus nur flüch­ten wol­len? Viel­leicht weiß der Ex-Chefdramaturg, der inzwi­schen bei der EU arbei­tet, eine Ant­wort. Oder jene Kul­tur­schaf­fen­den, die heu­te als Wir­te, Rei­se­füh­rer, Hand­wer­ker, Yogal­eh­rer arbei­ten. Sind sie frei­wil­lig gegan­gen oder wur­den sie von wid­ri­gen Umstän­den ver­trie­ben? Fon­ta­nes lite­ra­ri­scher Erfolg stell­te sich erst ein, als er hoch­be­tagt war – weil er vom Leben als Haus­va­ter einer Pen­si­on dann doch abge­se­hen hat.

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»Im Stream«
Bringt das Netz neue Spiel­ar­ten lite­ra­ri­scher Intel­lek­tua­li­tät her­vor?
Regie Klaus-Michael Kling­s­porn, Redak­ti­on Bar­ba­ra Wahls­ter
55 min – Pro­duk­ti­on DLR 2012


Anfang des Jahr­tau­sends galt Hyper­text­li­te­ra­tur als letz­ter Schrei. Dann ver­schwand sie sang- und klang­los von der Bild­flä­che, und trotz des Sie­ges­zugs von Inter­net und Smart­pho­nes schei­nen sich seit­her lite­ra­ri­sche Aus­drucks­for­men wie­der dem ver­trau­ten Papier zuge­wandt zu haben. Doch täuscht das nicht? Haben sich nicht gan­ze Gat­tun­gen elek­tro­ni­sch eman­zi­piert? Die spitz­zün­gigs­ten Apho­ris­men fin­den sich mitt­ler­wei­le auf Twit­ter, und die Form des bebil­der­ten Essays à la Alex­an­der Klu­ge hat in den sozia­len Netz­wer­ken eine unge­ahn­te Wei­ter­ent­wick­lung genom­men. Frei­li­ch benutzt nicht mehr nur ein sin­gu­lä­rer Autor die­se Tech­nik, vie­le Schrei­ber erzeu­gen gemein­sam den Stream. So ent­steht ein viel­schich­ti­ges Text-Gedanken-Konvolut, ein kol­lek­ti­ver Stream of Con­scious­ness. Aller­dings bleibt die Zeit­sou­ve­rä­ni­tät des Lesers auf der Stre­cke: Der Stream will dau­ernd beob­ach­tet und über­wacht sein, was ihn so fas­zi­nie­rend wie beängs­ti­gend macht. Bil­det sich hier wie­der nur eine Avantgarde-Blase wie bei der Hyper­text­li­te­ra­tur vor einem Jahr­zehnt? Oder wer­den tat­säch­li­ch Struk­tu­ren für eine E-Literatur der Zukunft gebahnt, für eine literarisch-politische Intel­lek­tua­li­tät, die irgend­wann den papie­re­nen Dis­kur­sen den Rang ablau­fen wird?

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»Gelehr­ter als der Kauf­mann, kauf­män­ni­scher als der Gelehr­te«
Requi­em auf den Anti­qua­ri­ats­buch­han­del
Regie Gün­ter Mau­rer, Redak­ti­on Wal­ter Filz
55 min – Pro­duk­ti­on SWR 2012 / Über­nah­me DLF 2014


Sie haben nichts Neu­es zu ver­kau­fen: die Anti­qua­re. Muf­fig klingt das Wort, muf­fig riecht die Ware. Und wenn es sich nicht um wirk­li­ch wert­vol­le Wer­ke han­delt, muss man bei­na­he von Alt­pa­pier spre­chen. Die Mas­se der Gebraucht­bü­cher wird immer grö­ßer, der Preis­kampf im Inter­net ist rui­nös, Lager­kos­ten und Laden­mie­ten stei­gen. Wer außer ein paar Lieb­ha­bern braucht alte Bücher, wenn deren Inhal­te digi­tal vor­lie­gen? Ist der Anti­qua­ri­ats­buch­han­del das aus­ster­ben­de Geschäft einer aus­ster­ben­den Spe­zies? Wird es den noto­ri­sch schrä­gen Alt­buch­händ­ler bald nur noch als lite­ra­ri­sche Figur geben – in Büchern, die auch nur noch anti­qua­ri­sch sind? Und: Wäre das eigent­li­ch schlimm??

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Aus­führ­li­che Bespre­chung auf radio-machen.de


»Fil­ter­wel­ten«
Vom Sie­ben der Wirk­lich­keit
Regie Kat­rin Moll, Redak­ti­on Klaus Pil­ger
55 min – Pro­duk­ti­on DLF 2012 / Wie­der­ho­lung 2015


Fil­ter und Sie­be ste­cken über­all – klei­ne Hel­fer, die Schmut­zi­ges sau­ber und Durch­misch­tes rein machen. Als der Zusam­men­hang zwi­schen Rau­chen und Krebs unüber­seh­bar wur­de, führ­te die Tabak­in­dus­trie die Fil­ter­zi­ga­ret­te ein, die vor­ge­geb­li­ch Schad­stof­fe fern­hält und einen unge­fähr­li­chen Kon­sum ermög­licht. Vie­le Rau­cher glau­ben das bis heu­te – Beweis des guten Leu­munds, den der Fil­ter hat. Doch neu­er­dings wird vor der „Filter-Bubble“ gewarnt, einer Welt, in der Infor­ma­tio­nen vom Com­pu­ter so per­so­na­li­siert wer­den, dass alle Men­schen irgend­wann in iso­lier­ten Ego-Blasen leben. Bedro­hen Fil­ter unser Wahr­neh­mungs­ver­mö­gen? Eigent­li­ch fühlt es sich umge­kehrt an, gera­de die digi­ta­le Ent­wick­lung ver­langt nach Sper­ren, die uns vor der Infor­ma­ti­ons­flut schüt­zen. E-Mail-Konten ohne Spam­fil­ter – ein Alp­traum! Sur­fen ohne vor­struk­tu­rie­ren­de Such­ma­schi­nen­al­go­rith­men? Undenk­bar. So ist es hohe Zeit, den viel­fäl­ti­gen Fil­tern rings­um Auf­merk­sam­keit zu schen­ken und zu fra­gen, was wir mit ihnen und sie mit uns machen. Ent­rei­chern oder ver­edeln Fil­ter unser Leben? Falls para­do­xer­wei­se bei­des zugleich zutrifft: Wie sol­len wir mit ihrem janus­köp­fi­gem Wesen umge­hen?

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»Der auf­ge­klär­te Oppor­tu­nist«
Uto­pi­en für den schwa­chen Men­schen
Regie Chris­tia­ne Klenz, Redak­ti­on Bar­ba­ra Schä­fer
55 min – Pro­duk­ti­on BR 2011 / Wie­der­ho­lung 2012


Oppor­tu­nis­mus gilt als schimpf­li­ch, ver­kör­pert er doch man­geln­de Ver­läss­lich­keit und feh­len­den Mut. Den­no­ch kommt kei­ne moder­ne Gesell­schaft ohne mit­lau­fen­de, ange­pass­te und damit oppor­tu­nis­ti­sche Mas­sen aus. Man kann davon aus­ge­hen, dass der Her­den­trieb eine uni­ver­sel­le mensch­li­che Eigen­schaft ist. Den­no­ch gilt der Oppor­tu­nist als wenig wert­voll und in sei­ner Mas­sie­rung als Toten­grä­ber der Demo­kra­tie. Da ist Auf­klä­rung von­nö­ten: Die Erkennt­nis, dass Anpas­sungs­be­reit­schaft als posi­ti­ves Steue­rungs­ele­ment benutzt wer­den kann. Flo­ri­an Felix Weyh skiz­ziert in sei­nem Essay den auf­ge­klär­ten Oppor­tu­nis­ten, der kon­struk­tiv mit erkann­ten Schwä­chen umgeht. Der weiß, dass er Beloh­nungs­me­cha­nis­men gegen­über anfäl­lig bleibt und nicht ver­sucht, sich dar­über hin­weg­zu­set­zen. Der sei­ner staats­bür­ger­li­chen Pflicht nach kommt, indem er sich dafür ein­setzt, dass die Beloh­nungs­me­cha­nis­men ins­ge­samt im Sin­ne des best­mög­li­chen Nut­zens für alle geän­dert wer­den, auch wenn ihm die­se Ände­rung per­sön­li­ch scha­de­te.

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»Die For­mel«
Wenn die Welt auf einen Code zusam­men­schrumpft
Regie Phil­ip­pe Bru­ehl, Redak­ti­on Klaus Pil­ger
55 min – Pro­duk­ti­on DLF 2011 / Wie­der­ho­lung 2014


Wo sich Wis­sen in For­meln ver­dich­tet, wird es unan­tast­bar. Nie­mand kann es mehr bezwei­feln. Zunächst ein­mal schüch­tert die for­ma­le Nota­ti­on von Algo­rith­men ein, wäh­rend For­meln zugleich den Men­schen magi­sch anzie­hen. Ob Wasch­mit­tel­for­mel oder Coca-Cola-Mixtur – wer die For­mel hat, der hat die Macht. Jen­seits tri­via­ler Mythen fragt das Fea­ture: Was kön­nen For­meln über­haupt? Wo sto­ßen sie an ihre Gren­zen, wann wer­den sie unsin­nig? Wann die­nen sie der Ver­schleie­rung von Unwis­sen? Die Sen­dung ver­sam­melt kurio­se Bei­spie­le aus allen Lebens­be­rei­chen wie aus seriö­ser Phy­sik und Mathe­ma­tik und durch­fors­tet den For­mel­wald auf nütz­li­che Algo­rith­men. Sogar die ›Welt­for­mel‹ war­tet im Rara-Lesesaal der Ber­li­ner Staats­bi­blio­thek auf ihren Ent­de­cker – wobei sich dahin­ter frei­li­ch eine mensch­li­che Tra­gö­die offen­bart.

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»Super­held trifft Super­hirn«
Wis­sen­schafts­thril­ler als ver­kapp­te Sach­bü­cher
Regie Klaus-Michael Kling­s­porn, Redak­ti­on Bar­ba­ra Wahls­ter
55 min – Pro­duk­ti­on DLR 2011


Sie sind schlau und böse – oder sie sind bril­lan­te Ret­ter der Welt! In Wis­sen­schafts­thril­lern müs­sen die Prot­ago­nis­ten mehr als nur schuss­waf­fen­taug­li­ch sein. Wo abge­feim­te Super­hir­ne die Welt bedro­hen, bedarf es intel­lek­tu­ell über­ra­gen­der Super­hel­den, um sie nie­der­zu­rin­gen. Seit in Frank Schät­zings »Schwarm« eine bedroh­li­che Intel­li­genz aus dem Meer auf­stieg, erlebt die jun­ge Gat­tung einen rasan­ten Auf­schwung. Ver­äch­ter von Unter­hal­tungs­li­te­ra­tur erle­ben eine hand­fes­te Über­ra­schung: »Der Schwarm« ist ein ver­kapp­tes Sach­buch, und nicht nur er.  Ozea­no­gra­fie, Astro­phy­sik, Kli­ma­for­schung, Gene­tik, Mathe­ma­tik, Infor­ma­tik – vor allem sprö­de Natur­wis­sen­schaf­ten fin­den in Wis­sen­schafts­thril­lern eine popu­lä­re Ver­brei­tungs­form. Selbst Gele­gen­heits­le­ser zei­gen sich plötz­li­ch moti­viert, dicke Bücher durch­zu­ar­bei­ten. Was lässt sie mit­ten im span­nends­ten Plot mehr­sei­ti­ge Aus­füh­run­gen zu einem abge­le­ge­nen Spe­zi­al­the­ma ertra­gen? Wie gelingt es, eine Span­nungs­hand­lung so mit den anspruchs­vol­len Inhal­ten zu ver­bin­den, dass die Schweiß­näh­te der Kon­struk­ti­on unsicht­bar blei­ben?

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»Stö­rung hören«
Wenn Geräu­sche irri­tie­ren
Regie Phil­ip­pe Bru­ehl, Redak­ti­on Klaus Pil­ger
55 min – Pro­duk­ti­on DLF mit SWR 2010 / Wie­der­ho­lung 2013


Plötz­li­ch ist da ein hohes Sir­ren im Raum: Kün­digt sich ein Tin­ni­tus an oder mel­det sich nur ein defek­tes Hei­zungs­ven­til? Dann folgt ein arhyth­mi­sches Klop­fen: Defek­te Pum­pe oder Pol­ter­geist? Die Beun­ru­hi­gung wächst. Ist die Stö­rung natür­li­ch oder unna­tür­li­ch? Hat sie über­haupt phy­si­ka­li­sch statt­ge­fun­den - oder ereig­net sie sich nur im eige­nen Kopf? »Stö­rung hören« macht sich auf die Suche nach irri­tie­ren­den akus­ti­schen Phä­no­me­nen: Der unrun­de Moto­ren­klang, das Ras­seln in den Lun­gen­flü­geln. Im Magen-Darm-Trakt ertö­nen wah­re Kako­pho­ni­en – wel­che Geräu­sche aber geben Grund zur Sor­ge? Es gibt tech­ni­sche Stö­run­gen – auch im Rund­funk – und psy­chi­sche, die sich in win­zi­gen Ver­schie­bun­gen der Stimm­fre­quenz nie­der­schla­gen. Dabei stif­ten uns sinn­vol­le Stör­ge­räu­sche zu Repa­ra­tur­hand­lun­gen an, und auf der Inten­siv­sta­ti­on ver­wei­sen ner­vi­ge Pieps­ge­räu­sche auf aku­ten medi­zi­ni­schen Hand­lungs­be­darf. »Stö­rung hören« spitzt die Ohren und fragt Fach­leu­te ver­schie­dens­ter Fach­rich­tun­gen, wann eine akus­ti­sche Irri­ta­ti­on Infor­ma­tio­nen ent­hält, die man nicht leicht­fer­tig igno­rie­ren soll­te. Am Ende ist der Hörer ein geschul­ter Stö­rungs­hö­rer ... oder ein ner­vö­ser akus­ti­scher Hypo­chon­der.

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»Die Unge­le­se­nen«
Über das Schlimms­te und Nor­mals­te, was Büchern und Auto­ren pas­sie­ren kann
Regie Gün­ter Mau­rer, Redak­ti­on Wal­ter Filz
55 min – Pro­duk­ti­on SWR 2010 / Über­nah­me BR 2011, NDR 2011, DLF 2012


Der Bücher­berg wächst jedes Jahr um Hun­dert­tau­sen­de. Nie­mand kann sie alle lesen. Aber kann es sein, dass es Bücher gibt, die nie­mand liest? In man­chen Biblio­the­ken fin­den sich Jah­re und Jahr­hun­der­te alte Bücher, deren Sei­ten­bö­gen bis heu­te nicht auf­ge­schnit­ten wor­den sind. Kommt irgend­wann der Tag für sie? Aber auch aktu­el­le Bücher kön­nen sich ihrer Leser nicht sicher sein. Wenn die Auf­la­ge klein ist und der Käu­fer­kreis noch klei­ner und man bei kei­nem Käu­fer weiß, ob er das Buch je auf­schlägt. Flo­ri­an Felix Weyh - selbst Buch­au­tor - unter­nimmt eine Rei­se in ein unbe­kann­tes Land, ein Land des Ver­ges­se­nen und Ver­bo­te­nen. Und er stellt eine ver­bo­te­ne Fra­ge: Soll­te man Bücher mit einem Ver­falls­da­tum ver­se­hen? Und dana­ch in den Papier­con­tai­ner wer­fen?

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»Stief­kind des Lite­ra­tur­be­triebs«
Eine Geschich­te des Sach­buchs
Regie Autor, Redak­ti­on Anja Bro­ckert
30 min – Pro­duk­ti­on SWR 2010 / Über­nah­me SR 2010


Der ers­te deut­sche Lite­ra­tur­no­bel­preis­trä­ger war ein Sach­buch­au­tor, der His­to­ri­ker Theo­dor Momm­sen. Er erhielt den Preis 1902 für sei­ne »Römi­sche Geschich­te«. Als 1908 ein zwei­ter Deut­scher gekürt wur­de, traf es mit Rudolf Eucken wie­der­um kei­nen Bel­le­tris­ten, son­dern einen Phi­lo­so­phen. Das Sach­buch hat eine lan­ge, ruhm­rei­che Geschich­te bis zurück ins frü­he 19. Jahr­hun­dert. Doch im Feuil­le­ton und bei den Buch­käu­fern gilt es wei­ter­hin als zweit­ran­gi­ge Text­sor­te. Nur rein nut­zen­ori­en­tier­te Leser, so das Vor­ur­teil, zögen das Sach­buch dem höher­wer­ti­gen Roman vor. Ein Bli­ck in die Geschich­te des popu­lä­ren Sach­buchs zeigt jedoch, dass sich die High­lights des Gen­res weder sprach­li­ch noch ästhe­ti­sch zu ver­ste­cken brau­chen. Längst hat das Sach­buch eige­ne erzäh­le­ri­sche Stan­dards eta­bliert – und wer vie­le Sach­bü­cher liest, wird zumin­dest nicht düm­mer. Höchs­te Zeit also, dem Stief­kind des Lite­ra­tur­be­triebs mehr Auf­merk­sam­keit zu wid­men.

Manu­skript online beim SWR
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»Beim Hal­ma gibt's kei­nen Elf­me­ter«
Wie Spiel­re­geln ent­ste­hen, war­um man sie ein­hält, und wo der Ern­st des Lebens beginnt
Regie Rita Höh­ne, Redak­ti­on Tan­ja Runow
55 min – Pro­duk­ti­on DLF 2009


Skat­run­den, Fuß­ball­fans, Schach­freun­de, Kin­der – alle beschäf­ti­gen sich mit ihnen: den Spiel­re­geln. Wer­den die Regeln auf dem Fuß­ball­platz ver­letzt, kochen die Emo­tio­nen hoch. Beim Mensch-ärgere-dich-nicht sor­gen sie für Span­nung, zugleich aber auch für Unfrie­den: Spiel­re­geln müs­sen kein rei­nes Glück besche­ren! Manch­mal sind sie bizarr, manch­mal ein­leuch­tend, beim Meta-Spiel Nomic kön­nen die Spie­ler die Regeln sogar selbst ändern. Wer erfin­det Spiel­re­geln? Und war­um unter­wer­fen sich ihnen Men­schen frei­wil­lig, ja kla­gen sie auch in der rea­len Welt ein (etwa wenn sich Mana­ger nicht mehr »an die Spiel­re­geln des Mark­tes hal­ten«)? Zuwei­len dient sol­ch ein Appell nur als Meta­pher für den Ruf nach här­te­ren Geset­zen. Doch letzt­li­ch basie­ren in der Demo­kra­tie eini­ge Rechts­nor­men auf frei­wil­li­gen Ver­ein­ba­run­gen So ent­deck­te schon der Sozio­lo­ge Max Weber im Spiel Züge einer fried­li­chen Gesell­schafts­ord­nung. Auch heu­te unter­su­chen Sozio­lo­gen, Juris­ten und Demo­kra­ti­e­theo­re­ti­ker Spiel­re­geln auf ihren theo­re­ti­schen Wert und ana­ly­sie­ren die Posi­tio­nen von Schieds­rich­tern, Spiel­ver­der­bern und Falsch­spie­lern. Denn auch spie­le­ri­scher Zeit­ver­treib kann exis­ten­zi­ell bedeut­sam sein, wie der Schach­groß­meis­ter Paul Keres ver­riet: »Man gibt Pake­te auf, aber kei­ne Schach­par­ti­en!«

ALEX-Medienpreis 2010
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»Desi­gn Deutsch­land«
Eine Wie­der­be­geg­nung
Regie Gün­ter Mau­rer, Redak­ti­on Wal­ter Filz
55 min – Pro­duk­ti­on SWR 2009 / Über­nah­me WDR 2010


Er war jung und brauch­te das Geld. Die Mau­er war kaum gefal­len, da schrieb der 26-jährige Jung­dra­ma­ti­ker Flo­ri­an Felix Weyh eine sati­ri­sche Hörspiel-Utopie zur Wie­der­ver­ei­ni­gung: dreist, gif­tig, höh­ni­sch – wie es sich für Jung­au­to­ren gehört. Doch obwohl er sich beeil­te und sein Skript im Dezem­ber 1989 bereits fer­tig hat­te, ent­wi­ckel­ten sich die rea­len Ereig­nis­se rasan­ter als man sie über­spitzt kari­kie­ren konn­te. Das Hör­spiel wur­de nie pro­du­ziert. Jetzt, 20 Jah­re spä­ter, hat Weyh das Manu­skript noch ein­mal aus der Schub­la­de geholt und fest­ge­stellt: In der Sache lag er mit sei­ner Wiedervereinigungs-Utopie gar nicht so fal­sch. Was aber sei­ne dama­li­ge Hal­tung betrifft, da erweist sich das Hör­spiel als pein­li­ch prä­po­tent, poli­ti­sch naiv und his­to­ri­sch blind – und also ganz typi­sch für die ers­te Reak­ti­on der jün­ge­ren Gene­ra­ti­on auf die Wen­de. Die SWR-Featureabteilung insze­niert erst­mals Tei­le von Weyhs 20 Jah­re alter Hörspiel-Utopie – und kon­fron­tiert sie mit der rea­len Gegen­wart, auch der ihres Autors.


»Wenn der Hase län­ger trom­melt als der Turn­schuh blin­ken kann«
Kul­tur und Kar­rie­re der Bat­te­rie
Regie Gün­ter Mau­rer, Redak­ti­on Wal­ter Filz
55 min – Pro­duk­ti­on SWR 2009 / Über­nah­me DLF 2011


1,3 Mil­li­ar­den Bat­te­ri­en wer­den in Deutsch­land jedes Jahr in Gerä­te gesteckt. Und 1,1 Mil­li­ar­den nach Ver­brauch weg­ge­wor­fen. Das ärgert Umwelt­schüt­zer. Zu Recht. Aber was wären wir ohne die klei­nen (oder auch grö­ße­ren) Ener­gie­bün­del? Wir wür­den ein erheb­li­ches Stück Frei­heit (und Frei­zeit) ver­lie­ren. Außer­halb des Hau­ses und jen­seits von Strom­lei­tun­gen wären wir zurück­ge­wor­fen in stil­le Fins­ter­nis: unter­wegs ohne Licht und Ton, ohne Auto, ohne Han­dy, ohne Radio. Und ohne Hasen ... 1973 wur­de der bat­te­rie­be­trie­be­ne Wer­be­tromm­ler gebo­ren, des­sen Zel­len angeb­li­ch län­ger hal­ten als die der Kon­kur­renz. In zig Wer­be­spots hat er sei­ne Aus­dau­er demons­triert. Jetzt fei­ert der pro­mi­nen­te Rekla­me­held ein Come­back. Als Zeit­zeu­ge, Exper­te und kom­pe­ten­ter Mode­ra­tor eines Fea­tures über Kul­tur und Kar­rie­re, Ver­gan­gen­heit und Zukunft der Bat­te­rie.

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»Der Kul­tur­funk­tio­när«
Auf der Suche nach einem scheu­en Wesen
Regie Rita Höh­ne, Redak­ti­on Klaus Pil­ger
55 min – Pro­duk­ti­on DLF 2008 / Wie­der­ho­lung 2012


Natür­li­ch gibt es ihn nicht mehr, den Kul­tur­funk­tio­när. Als Teil des Staats­kunst­be­triebs der DDR ist er 1989 unter­ge­gan­gen. Aber jemand muss auch in der Demo­kra­tie sei­ne Arbeit erle­di­gen, pro Jahr acht Mil­li­ar­den Euro Sub­ven­tio­nen unters Volk brin­gen oder als Ver­bands­lob­by­ist die Inter­es­sen von Eigen­bröt­lern ver­tre­ten. Also gibt es ihn doch, den Kul­tur­funk­tio­när. Er wirkt als städ­ti­scher Ange­stell­ter oder Geschäfts­füh­rer einer Orga­ni­sa­ti­on oder steht einem Ver­ein ehren­amt­li­ch vor. Nur mag er nicht, wenn man ihn so nennt, »Kul­tur­funk­tio­när« - wie klingt das denn? Nach geis­ti­ger Enge, Büro­kra­tie und Gän­ge­lei. Er ist ein scheu­es Wesen und wit­tert hin­ter jeder zwei­ten Fra­ge eine Anschul­di­gung: Behaup­ten die Künst­ler nicht, er ver­zeh­re mit sei­nem fixen Gehalt Geld­er, die sie viel pro­duk­ti­ver ver­wen­den wür­den? Arbei­tet er nicht der Büro­kra­tie zu? Ein Span­nungs­feld. Ein span­nen­des Feld. Am Ende benei­det der Künst­ler den Funk­tio­när, und der Funk­tio­när den Künst­ler. Dabei kön­nen sie ohne ein­an­der gar nicht sein, denn der Kul­tur­funk­tio­när ver­söhnt die Kul­tur mit der Ver­wal­tung. Zumin­dest ver­sucht er es.

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»Reich das mal ein!«
Jour­na­lis­ten­prei­se zwi­schen PR-Anstrengung und Qua­li­täts­aus­le­se
Regie Gün­ter Mau­rer, Redak­ti­on Wal­ter Filz
55 min – Pro­duk­ti­on SWR 2008 / Über­nah­me DLF 2009


Der Jour­na­list nimmt, lächelt – und schweigt. Etwa 300 Jour­na­lis­ten­prei­se wer­den jähr­li­ch im deutsch­spra­chi­gen Raum ver­ge­ben. Dar­un­ter sind eini­ge hono­ri­ge, aber auch man­che nicht ganz so ehren­wer­te Aus­zeich­nung, die eher dem Preis­ver­lei­her selbst nützt – als Wer­bung. Vor allem die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft lockt gern mit der Aus­sicht auf lukra­ti­ve Prei­se, damit etwas Freund­li­ches über ihre Bran­che geschrie­ben wird. Mit 10.000 Euro ist der Deut­sche Preis für Immo­bi­li­en­jour­na­lis­mus dotiert, 18.000 Euro ist der Medi­en­preis Fri­seur wert. Und unglaub­li­che 50.000 Euro lässt sich der Unter­neh­mer Hans Strot­hoff sei­nen Hans-Strothoff-Journalistenpreis kos­ten. Und füh­re uns nicht in Ver­su­chung ... Flo­ri­an Felix Weyh, Autor, Jour­na­list und nicht ganz neid­lo­ser Nicht­preis­trä­ger, hat sich umge­schaut, wo für Leu­te wie ihn was zu holen ist, und ab wann sich dabei das Gewis­sen mel­det.


»Der Kel­ler«
Eine unter­ir­di­sche Bege­hung in fünf Gän­gen
Regie Johan­nes Mayr, Redak­ti­on Wal­ter Filz
55 min – Pro­duk­ti­on SWR 2007 / Über­nah­me DLF 2008


Ver­steck, Ver­lies und Vor­rats­la­ger, Ort des Ver­dräng­ten, Ver­ges­se­nen und Ver­bo­te­nen oder auch wil­der Par­tys – das alles ist der Kel­ler. Der eine hat eine Lei­che drin, der ande­re nur Ein­weck­glä­ser. Und vie­le haben dunkle Erin­ne­run­gen: Koh­len­ge­ruch und Kin­der­gru­sel. In fünf Gän­gen steigt Flo­ri­an Felix Weyh in die Tie­fen des Kel­lers und sei­ner Mythen und Wirk­lich­kei­ten. Die sinn­li­che Kel­ler­welt mys­te­riö­ser Gerü­che wird eben­so erkun­det wie der schüt­zen­de Kel­ler­bun­ker oder die Abgrün­de abge­leg­ter Ver­gan­gen­hei­ten. Archi­tek­ten, Lage­ris­ten, Büh­nen­bild­ner, Hand­wer­ker, His­to­ri­ker, Häus­le­bau­er und ande­re Kel­ler­kin­der erzäh­len ihre fins­ters­ten Erleb­nis­se im Tief­ge­schoss und berich­ten von ihren strah­lends­ten Ein­ge­bun­gen – im Dun­kel­ge­schoss unter der Ober­flä­che aller Über­bau­ten